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Essensverteilung im Ñeque-Quartier

Vor über einem Jahr traf die Pandemie den kleinen Andenstaat mit voller Wucht. Unsere Stiftung musste ihre Türen schliessen und die Kinder der Schule und dem Ñeque fern bleiben. Leider führte der Sommer in Quito keineswegs zu einer Entspannung. Das Land galt als Hotspot in Sachen Corona mit einer der höchsten Covid-Todesraten weltweit. Was bei uns verhindert werden konnte, ist in Quito Realität: Seit einem Jahr sind Schulen und Einrichtungen für sämtliche Kinder in Ecuador geschlossen. Die Konsequenzen für deren Zukunft sind höchst besorgniserregend.

Im Sommer 2020 haben wir uns entschieden, aktiv zu werden und unser lokales Netzwerk dazu zu nutzen, den ärmsten Familien im Quartier regelmässig Lebensmittelpakete auszuhändigen. Das Team vom Ñeque y más Ñeque hat seitdem ausserordentliches geleistet und jeden Monat 80 Kits verteilt. Die Pakete enthalten Grundnahrungsmittel wie Zucker, Mehl, Reis, Gerste, Hafer, Teigwaren, Linsen, Bohnen und Öl sowie Toiletten-papier. Inzwischen wurden bereits über 500 Kits ausgehändigt, zum Einen an die Familien der Ñeque-Kinder, zum Anderen an besonders von der Pandemie betroffene Personen des Quartiers, die dringend auf die Unterstützung angewiesen sind. Das Feedback aus der Bevölkerung war überwältigend! Dank Ihrer Hilfe konnten zudem auch im Corona-Jahr 2020 die Löhne der Mitarbeitenden kontinuierlich ausbezahlt und die Infrastruktur aufrecht erhalten werden, für den Fall, dass die Türen wieder aufgehen können.

Heute hat sich die Situation leider noch nicht wesentlich verbessert. Die verfügbaren Impfstoffe im Land reichen nicht mal ansatzweise aus, um die Risikopopulation zu impfen. Schweren Herzens müssen wir unser Stiftungshaus weiterhin geschlossen halten, mit einer Öffnung vor dem nächsten Schuljahr im September 2021 ist nicht zu rechnen.

Aber wir machen weiter: Die Lebensmittelverteilung im Quartier möchten wir so lange aufrecht erhalten, wie es die Zustände erfordern. Zusätzlich werden wir im kommenden Monat für alle Kinder des Ñeque y más Ñeque ein Kit mit Lehrmitteln zusammenstellen, das ihnen den Unterricht zu Hause vereinfachen soll. Nicht alle Kinder sind entsprechend ausgerüstet in ihren Familien. Alle Spenden, die uns mit dem Vermerk „Essenspakete Corona“ erreichen, werden wir diesem Zweck widmen und sämtliche Mitglieder-beiträge werden dieses Jahr für die Bereitstellung der Lebensmittelpakete verwendet. Ein Paket kostet umgerechnet 20 Franken.

Corona in Ecuador

Kinder im Projekt 2020

Die aktuelle Gesundheitslage in Ecuador ist dramatisch und die Kindertagesstätte muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Der ecuadorianische Staat hat in den letzten Monaten eine Ausgangssperre zwischen 14 Uhr und 5 Uhr morgens verhängt, nachdem der kleine Andenstaat ungemein hart von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Das Epizentrum des Ausbruchs befand sich zwar im südlichen Guayaquil, aber auch die Hauptstadt Quito verzeichnete extrem hohe Fallzahlen. Die Beschäftigung im informellen Sektor ist in Ecuador hoch, insbesondere in Quartieren wie dem Comité del Pueblo, wo die Stiftung angesiedelt ist. Die Pandemie hat die finanzielle Situation der Bevölkerung und auch der Familien der Stiftung damit stark verschlechtert.

Wir hoffen, dass sich die Situation so rasch wie möglich entspannt und auch in Quito bald wieder ein Stück Normalität einkehrt, damit die Menschen ihre Arbeit wieder aufnehmen können, welche sie zum Überleben dringend benötigen. Sobald es die Zustände erlauben, wird die Stiftung Ñeque y más Ñeque ihre wichtige Funktion für das Quartier wieder aufnehmen.

Besuch im Ñeque

Visita David Loic

Zum Abschluss des Projektjahres 2019 ist Vorstandsmitglied Maya Wolfensberger Malo im Januar 2020 nach Quito gereist für das Monitoring und den Austausch zwischen den ecuadorianischen Mitarbeitenden und unserem Verein als Hauptgeldgeber.

«Ich besuche das Projekt 18 Jahre nach meinem Einsatz im Ñeque als Volontärin. Die Kinder und Jugendlichen, die ich damals betreut hatte, sind längst erwachsen. Einige sind in andere Teile des Landes gezogen, andere senden mittlerweile ihre eigenen Kinder ins Projekt. Was mich am meisten erstaunt hat, ist die Konstanz dieses Projektes. Dieselben Leute, die es vor 20 Jahren gegründet haben, sind heute noch die treibende Kraft dahinter: Galo Cevallos, der Projektleiter und Narcisa Cardenas, die Leiterin Betreuung. Für uns ist dies sehr wertvoll und auch die Kinder profitieren enorm von den wichtigen Bezugspersonen, die sie durch ihre Kindheit begleitet haben.

Was sich verändert hat, sind die Verhältnisse im Quartier. Die Situation hat sich enorm verbessert bezüglich der Grundversorgung, Kanalisation, Strom- und Strassennetze. Es sind rundherum Betriebe entstanden. Neue, grössere Häuser wurden gebaut. Leute aus besseren Verhältnissen sind ins Quartier gezogen. Dies stellt das Projekt vor Herausforderungen. Denn das Ñeque ist und bleibt ein Projekt für Familien aus schwierigen Verhältnissen. Für Kinder, die andernfalls der Strasse überlassen wären. Die Verbesserung des Quartiers ist natürlich begrüssenswert in vielerlei Hinsicht, führt aber dazu, dass die Kinder teilweise längere Wege zurücklegen müssen, da sie nun auch aus anderen Quartieren ins Projekt kommen, wo kein entsprechendes Angebot existiert. Wir erwägen derzeit verschiedene Möglichkeiten, wie wir das Angebot entsprechend anpassen können. Auch Ecuador ist mittlerweile von der Corona-Krise erfasst worden und das Projekt musste vorübergehend schliessen. Wir hoffen, dass die Situation rasch unter Kontrolle kommt.»